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Prostitution ist Ausbeutung

120 Schüler der Gewerblichen Schule informierten sich über das Schicksal von in der Prostitution tätigen Frauen

„Prostitution ist keine Abenteuerlust“, sagt Marietta Hageney vom Verein SOLWODI (Solidarity with women in distress), der sich für die Belange von Frauen und Kindern einsetzt, die von sexueller Ausbeutung betroffen sind. In der voll besetzten Aula des Beruflichen Schulzentrums erfuhren die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in einer klaren und direkten Sprache, dass viele Mädchen in Osteuropa nur der Armut in ihren Herkunftsländern entkommen wollten und mit Versprechen von lukrativen Jobs im Handel oder der Gastronomie nach Deutschland gelockt worden sind. Durch eine perfide Manipulation der Zuhälter werden Beziehungen zu den Opfern ausgenutzt und der Traum vom Reichtum ende in einer der Sklaverei ähnlichen Abhängigkeit.

Da den Frauen die Pässe abgenommen werden, gebe es kaum Möglichkeiten zu entkommen. Schläge und entwürdigende Sexualpraktiken seien an der Tagesordnung. Hageney kritisiert, dass der Staat daran über die Steuern kräftig mitverdiene. Schließlich handle es sich um einen Markt, der in Deutschland mit geschätzten 14,5 Milliarden Euro ähnliche Umsätze vorweisen könne wie Weltkonzerne.

Was können die Jugendlichen daraus lernen? „Wir möchten ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Ausbeutung schon im Kleinen beginnt“, begründet Hageney ihr Engagement. „Auch was vielleicht als Spaß oder Unterhaltung daherkommt, ist der Anfang von Missbrauch“. So nennt sie das Beispiel von Junggesellenabschieden, auf denen „erotische Tänzerinnen“ gebucht werden oder Diskotheken, in denen jungen Damen dafür Geld geboten werde, dass sie sich im BH tanzend Würstchen in den Mund stecken. Und auch Internetplattformen wie „YouPorn“ werden zum Teil von Jugendlichen genutzt. Ab 13.30 Uhr steige der Zugriff auf derartige Seiten um ein Vielfaches. „Hier wird der Illusion vermittelt, dass Frauen sexuell benutzt werden könnten und sie Spaß dabei hätten. Dabei leben sie in einem Albtraum der Sex-Sklaverei.“

Viele Schülerinnen und Schüler verließen diesen Vortrag mit dem Bewusstsein, dass die Welt nicht nur in Umweltfragen, sondern auch im Bereich der Menschenwürde noch ein gewaltiges Verbesserungspotenzial besitzt.

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